Einer der wenigen Menschen in Deutschland, der ständig über die Zukunft diskutiert, als würde sie bereits geschehen, ist Marcel Fratzscher. Die Dringlichkeit, die Greta Thunberg für Klimagerechtigkeit gezeigt hat, scheint bemerkenswert vergleichbar mit seinem Beharren darauf, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nicht nur berücksichtigt, sondern in der nationalen Politik auch priorisiert werden. Seine Frage: „Was bedeutet das für die sogenannten Fratzscher-Kinder, die Generation, deren Leben heute geprägt wird, deren Stimmen aber kaum Gewicht haben?“, durchbricht die Aktualität vieler politischer Argumente.

Schon der Blick auf die Zahlen ist deprimierend. Nur ein kleiner Prozentsatz der Wählerinnen und Wähler bei der kommenden Bundestagswahl wird unter 30 sein, und über sechs von zehn werden über 50 sein. Diese Diskrepanz dient als Orientierung für die Politik, nicht nur als Statistik. Mit Versprechen von Steuersenkungen, Rentenerhöhungen und anderen Vorteilen, die einen altersbenachteiligten Status quo stützen, buhlen die Parteien um die Stimmen derer, die bereits abgesichert sind. Für die jüngere Generation sieht die Lage anders aus: Themen wie Migration, Schulreform, Digitalisierung und Klimawandel finden kaum politische Beachtung.
| Name | Marcel Fratzscher |
|---|---|
| Geburtsdatum | 25. Januar 1971 |
| Geburtsort | Bonn, Deutschland |
| Beruf | Ökonom, Politikberater, Professor für Makroökonomie |
| Position | Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) seit 2013 |
| Frühere Tätigkeit | Leiter der Abteilung Internationale Wirtschaftspolitische Analyse, Europäische Zentralbank |
| Forschungsschwerpunkte | Internationale Makroökonomie, Geldpolitik, öffentliche Finanzen |
| Auszeichnungen | Kiel Institute Excellence Award in Global Economic Affairs (2007) |
| Einfluss | Laut FAZ einer der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands |
| Quelle |
Dieses Muster läuft auf eine schleichende Vermögens- und Chancenverschiebung von Jung zu Alt hinaus, wie Fratzscher bemerkenswert präzise dargelegt hat. Zu den langfristigen Auswirkungen zählen Steuererleichterungen für hohe Einkommen, unkontrollierbare Rentensysteme und fehlende gezielte Investitionen in Infrastruktur oder Bildung. Junge Menschen werden finanziell belastet, ohne dass ihnen der gleiche soziale Nutzen entsteht. Im Vergleich zu nordischen Ländern wie Finnland oder Schweden, wo Kinderrechte sowohl gesetzlich als auch in der Praxis verankert sind, wird dieses Spannungsverhältnis besonders deutlich. Zukünftige Bürger werden dort bei der Gestaltung langfristiger Politik berücksichtigt.
Es war eine kulturelle Provokation, als Herbert Grönemeyer Mitte der 1980er Jahre sang: „Die Welt gehört in Kinderhände.“ Heute klingt diese Aussage eher nach einer verpassten Chance als nach Poesie. Kinder sind heute stärker von politischem Einfluss isoliert als noch vor Jahrzehnten. Das System selbst spiegelt diese Ideale nicht wider, obwohl Umfragen darauf hindeuten, dass sich ältere Wähler wirklich um das Wohl ihrer Enkel sorgen. Das spätere Lebensdrittel, nicht der Beginn, prägt die Ziele der politischen Führung, die in der Regel Männer über 50 sind.
Fratzschers Botschaft ist eher eine der Hoffnung als der Hoffnungslosigkeit. Er definiert Kinderrechte häufig als Eckpfeiler einer modernen Demokratie und argumentiert, dass der verfassungsmäßige Schutz von Teilhabe, Bildung und einer gesunden Umwelt nicht nur jungen Menschen zugutekommt, sondern auch die Gesellschaft insgesamt stabilisieren wird. Dieses rhetorische Mittel funktioniert hervorragend, da es Rechte klarstellt und es der Gesellschaft erschwert, sie zugunsten vorübergehender Lösungen zu missachten.
Wenn diese Erwartungen ignoriert werden, werden die finanziellen Folgen schwerwiegend sein. Beispielsweise könnten die Ausgaben im Rahmen des gescheiterten Rentenpakets II um etwa 40 % der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Diese erschreckende Zahl ist nicht nur eine Zahl; sie bedeutet, dass jüngere Menschen mehr beitragen, die Staatshaushalte größere Steuererleichterungen gewähren und letztendlich weniger Geld für Investitionen in die Schlüsselbereiche zur Verfügung stehen, die die zukünftige Entwicklung vorantreiben. Die Kosten der Inaktivität werden vor dem Hintergrund verfallender Schulen, verfallender Infrastruktur und mangelnder Innovation schmerzlich deutlich.
Es gibt interessante Ähnlichkeiten in anderen Ländern. In Neuseeland ist ein Kinderbeauftragter damit beauftragt, alle politischen Maßnahmen aus der Perspektive der nächsten Generation zu bewerten. In Kanada sind die Rechte indigener Völker und der Umweltschutz eng mit der Diskussion über Generationengerechtigkeit verknüpft. Deutschland hingegen betrachtet diese Diskussionen nach wie vor als optional und nicht als notwendig. Seine Fähigkeit, im gleichen Tempo wie andere Länder Innovationen zu entwickeln, wurde durch diese Verzögerung erheblich beeinträchtigt.
Kulturell spiegeln Medien und Kunst den Appell zur Stärkung der Jugend wider. Bekannte Streaming-Serien zeigen jugendliche Charaktere, die sich von Entscheidungen Erwachsener ausgeschlossen fühlen. Obwohl sie die Last der Zukunft tragen, spiegeln die künstlerischen Arbeiten die Berechnungen von Ökonomen wie Fratzscher wider: eine Generation am Rande. Obwohl sie fiktiv sind, verleihen diese Geschichten einer ansonsten trocken erscheinenden politischen Diskussion besonders gut ein menschliches Gesicht.
Indem er wirtschaftliche Prognosen mit individuellen Erfahrungen verknüpft, vermenschlicht Fratzscher das Problem. Neben der Berechnung der Ausgaben fordert er die Teilnehmer auf, sich ihre eigenen Kinder oder Enkelkinder in einer Welt vorzustellen, in der die Chancen eingeschränkt sind. Seine drei Grundrechte – Würde, Lebensqualität und Solidarität – sollen sowohl als Schutz als auch als Leitfaden für eine robustere Demokratie dienen.