Jette Nietzard zeichnet sich durch ihre Direktheit aus, die in einer Zeit, in der viele junge Politikerinnen auf vorgefertigte Formulierungen setzen, zugleich gewagt und provokant ist. Dies wurde besonders deutlich, nachdem sie mit der Aussage „Bitches brauchen Gerechtigkeit“ in einem Gastbeitrag Schlagzeilen machte. Gemeinsam mit Jakob Blasel ist sie seit Oktober 2024 Bundessprecherin der Grünen Jugend. Diese Position machte sie sofort bekannt.

Bereits während ihrer Schulzeit am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bergisch Gladbach engagierte sie sich als Schülervertreterin. Schon früh beteiligte sie sich mit einer ungewöhnlich starken Position an politischen Debatten. 2016 übernahm sie den Vorsitz des Landesschülerrats NRW, der damals mehr als 2,6 Millionen Schülerinnen vertrat. Diese Erfahrung bezeichnet sie als besonders ermutigend. Ältere weibliche Vorbilder prägten sie zutiefst von der Bedeutung des Wissensaustauschs. Diese Haltung hat sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder gezeigt.
Jette Nietzard – Biografische & berufliche Eckdaten
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Name | Jette Nietzard |
| Geburtsjahr | 1999 |
| Geburtsort | Leverkusen |
| Wohnort | Berlin |
| Partei | Bündnis 90/Die Grünen |
| Rolle | Bundessprecherin der Grünen Jugend (Okt. 2024 – Juli 2025) |
| Ausbildung | Kindheitspädagogik, Alice Salomon Hochschule Berlin |
| Abschlussarbeit | Frühkindliche Bildung – Kapitalismuskritische Analyse |
| Frühere Tätigkeiten | Flüchtlingshilfe, Projektleitung, Deutsches Kinderhilfswerk |
| Wahlkandidaturen | 2021 und 2023, Wahlkreis Lichtenberg 3, Berlin |
| jetteniz | |
| Twitter (X) | @jetteniz |
| Parteimitglied seit | 2019 |
| Website-Quelle |
Darüber hinaus engagierte sich Nietzard stark in zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ihr langjähriges Engagement für sexuelle Selbstbestimmung, Kinderrechte und Bildungsreformen zeigt sich in ihrer Arbeit beim SV Bildungswerk und der National Coalition. Ihre Sichtweise wurde durch wissenschaftliche Tiefe untermauert; so analysierte sie beispielsweise in ihrer Bachelorarbeit die frühkindliche Bildung aus kapitalistischer Perspektive kritisch. Dieses Thema ist nicht nur theoretisch anspruchsvoll, sondern auch von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Sie brachte Themen zur Sprache, die viele politische Akteure lieber nicht diskutieren.
Nach ihrem Abschluss entschied sich Nietzard, direkt in Brennpunkten zu arbeiten, anstatt den konventionellen Wechsel in die Parteizentrale zu vollziehen. Eine ihrer prägendsten Erfahrungen war die Organisation der Flüchtlingskinderbetreuung am Berliner Hauptbahnhof. Gegenüber Watson sagte sie: „Es gibt so viele schöne Momente, in denen man professionell Familie sein kann – für Menschen, die hier niemanden haben.“ Ihre Aussage war besonders eindrücklich. Ihre Aussagen sind aufgrund dieser strukturellen und einfühlsamen Sichtweise besonders glaubwürdig.
Später übernahm sie die Leitung des Projekts UMGeben, das sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert. Im Jahr 2024 arbeitete sie elf Monate lang für das Deutsche Kinderhilfswerk und vertiefte so ihr Wissen über Kinderrechte. In ihren öffentlichen Äußerungen betonte sie praktische Methoden mit einem starken Wertebewusstsein, ohne dabei belehrend oder ideologisch dogmatisch zu wirken.
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021 markierte ihren ersten politischen Auftritt auf Landesebene. Im Wahlkreis Lichtenberg 3 erhielt sie erstaunliche 11,1 Prozent der Stimmen. Bei der Wiederholungswahl 2023 erreichte sie 8,9 Prozent. Sie stärkte ihre Basis und sammelte wertvolle Wahlkampferfahrung, auch wenn diese für ein Direktmandat nicht ausreichte. Sie wirkte nicht wie der typische Parteisoldat. Im Gegenteil, ihre Interviews zeugten von einer Unabhängigkeit, die bei politischen Aufsteigern ungewöhnlich ist. So erklärte sie beispielsweise in einem Interview mit dem Stern: „Ich bin besser darin, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. All diese Zugeständnisse waren zu viel für mich.“
Gerade diese unnachgiebige Haltung verleiht ihr ihre Authentizität. Sie positioniert sich als Stimme gegen den Status quo, während sich viele junge Politikerinnen strategisch auf ihre Karriereplanung konzentrieren. Diese Strategie ähnelt der von radikalen Aktivistinnen wie Carola Rackete, die ebenfalls Moral mit politischen Ambitionen verbindet, oder von Bewegungen wie Fridays for Future.
Nietzard zeigt in den sozialen Medien ein beeindruckendes Selbstbewusstsein. Ihre Instagram-Seite spiegelt politische Inhalte und persönliche Notizen wider, anstatt nur ein schillernder Feed zu sein. Ihr Humor und ihre Haltung im Karnevalsslogan 2025 „Kein Kölsch für Nazis, aber Süßigkeiten für mich“ sind ein Beispiel für ein Stilmittel, das besonders junge Wähler anspricht. Auf X führt sie kontroverse, aber nie ausweichende Gespräche. Ihre Beiträge sind inhaltsorientiert, nicht reichweitenorientiert. Ihre Absichten werden durch Aussagen wie diese deutlich: „Reach ist kein Selbstzweck, sondern ein Sprachrohr für Anliegen.“
Die Frage nach ihrer Zukunft stellt sich nun, da sie im Juli 2025 ihr Amt als Bundessprecherin niederlegt. Nietzard scheint ihren eigenen Weg gehen zu wollen, im Gegensatz zu vielen ehemaligen Sprechern wie Ricarda Lang und Felix Banaszak, die später in den Bundestag oder in die Parteiführung wechselten. Wie Luisa Neubauer könnte sie sich weiterhin als Katalysatorin gesellschaftlicher Debatten positionieren, auch außerhalb parlamentarischer Strukturen. Ihre Stärke liegt darin, politische Missstände direkt anzusprechen, nicht darin, diplomatische Lösungen zu formulieren. Dies könnte insbesondere für Menschenrechtsgruppen, NGOs oder auch Bildungsprojekte hilfreich sein.