Irans oberster Führer Ali Khamenei ist nicht nur für die politischen und religiösen Grundlagen der Islamischen Republik verantwortlich. Unter dem Deckmantel diplomatischer Auseinandersetzungen und religiöser Diskurse hat sich über Jahrzehnte ein Finanzzentrum entwickelt, dessen Größe westliche Beobachter in Erstaunen versetzt. Obwohl sein Reichtum durch ein komplexes Netz aus Trusts, Beschlagnahmungen und wirtschaftlicher Kontrolle verborgen ist, zählt er mit einem geschätzten Vermögen von bis zu 200 Milliarden Dollar zu den reichsten Machthabern der Welt.

Das Geheimnis dieses Reichtums birgt die Firma Setad. 1989 als kurzfristige Organisation zur Verwaltung verlassener Immobilien nach der Revolution gegründet, entwickelte sich Setad unter Khameneis Führung zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft. Besonders bezeichnend ist die Tatsache, dass die Organisation ursprünglich zur Unterstützung von Armen und Kriegsversehrten gegründet wurde; mit dem Wechsel von Khomeini zu Khamenei erlebte sie jedoch einen Wandel.
| Name | Ali Khamenei |
|---|---|
| Geburtsdatum | 19. April 1939 |
| Geburtsort | Mashhad, Iran |
| Nationalität | Iranisch |
| Titel | Oberster Führer der Islamischen Republik |
| Amtsantritt | 4. Juni 1989 |
| Vorgänger | Ruhollah Khomeini |
| Geschätztes Vermögen | Bis zu 200 Milliarden US-Dollar |
| Organisation | Setad (Hauptquelle wirtschaftlicher Macht) |
| Kinder | 6 Kinder (4 Söhne, 2 Töchter) |
| Quelle |
Seitdem wirkt sie als Stimulans des Wirtschaftswachstums und ist gleichzeitig in willkürliche, staatlich genehmigte Politiken eingebunden. Setad hat sich seit Anfang der 2000er Jahre in ein breites Branchenspektrum diversifiziert, darunter Bauwesen, Versicherungen, Telekommunikation und Pharmazeutik. Überraschenderweise betrieb das Unternehmen sogar eine Straußenfarm und investierte in die Herstellung von Verhütungsmitteln.
Diese breite Diversifizierung erwirtschaftet nicht nur enorme Gewinne, sondern verschafft dem Unternehmen auch strategische Kontrolle über wichtige Bereiche der iranischen Wirtschaft. Setads Organisationsstruktur ähnelt der eines staatlich geschützten Privatunternehmens: Khamenei führt das Sagen, ohne Aufsichtsgremium oder Opposition.
Ein Reuters-Bericht aus dem Jahr 2013 behauptet, Setad fungiere als eine Art Schattenstaat innerhalb des Staates. Neben der Beschlagnahmung wurden viele Grundstücke zu astronomischen Preisen an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben, stets unterstützt von Gerichten, die sich offen auf die Seite des Machthabers stellten. Da diese Praxis auch iranische Exilanten, politische Dissidenten und religiöse Minderheiten betrifft, ist sie besonders umstritten. Systematische Enteignung und Kontrolle bilden somit die Grundlage für Khameneis wirtschaftlichen Aufstieg.
Obwohl Khamenei Luxus meidet, in der Öffentlichkeit ein bescheidenes Auftreten pflegt und sein Zuhause schlicht hält, vermittelt die finanzielle Infrastruktur seines Amtes einen völlig anderen Eindruck. Zwar gibt es keine Beweise dafür, dass er persönlich Geld von Setad veruntreut, doch sein wirtschaftlicher Einfluss ermöglicht es ihm, seine politischen Ziele deutlich voranzutreiben. Milliarden werden für Medienkampagnen, Auslandseinsätze wie die der Revolutionsgarde und ideologische Initiativen ausgegeben. Er legt großen Wert auf wirtschaftliche Unabhängigkeit, was sich besonders im Umgang mit westlichen Sanktionen und dem Konflikt mit Israel zeigt.
Als Reaktion darauf verhängte die US-Regierung unter Barack Obama 2013 spezifische Sanktionen gegen Setad und 37 ihrer Tochtergesellschaften. Der Vorwurf lautet, Vermögenswerte in Milliardenhöhe seien zum Vorteil der iranischen Elite versteckt worden. Doch die iranische Bevölkerung ist sich dieser Tatsache noch immer weitgehend nicht bewusst. Das staatliche Fernsehen verbreitet gezielt den Eindruck, Setad sei eine gemeinnützige Organisation, deren Gewinne sozialen Projekten zugutekommen.
Dieses Missverhältnis zwischen wahrgenommenem Einfluss und öffentlicher Repräsentation weist eine unheimliche Ähnlichkeit mit anderen autoritären Regimen auf, in denen politische Strukturen durch die Konzentration wirtschaftlicher Macht gestärkt werden. Vergleiche mit Personen wie Wladimir Putin, dessen Vermögen ebenfalls schwer zu bestätigen ist, sind naheliegend. Auch dort dienen staatsnahe Unternehmen als Instrumente des Machterhalts und sind besonders in Zeiten innerer Instabilität oder äußerer Bedrohung nützlich.
Tiefe Verwurzelungen im politischen Gefüge offenbaren sich auch bei der Betrachtung von Khameneis familiären Verbindungen. Ähnlich wie in dynastischen Systemen gilt sein Sohn Modjtaba, der mit der Tochter eines ehemaligen Parlamentssprechers verheiratet ist, als möglicher Nachfolger. Während seine Töchter kaum in der Öffentlichkeit auftreten, engagieren sich andere Söhne wie Mostafa und Maysam in der Wirtschaft. In Teilen der iranischen Gesellschaft gibt es jedoch Vermutungen über heimliche Machtwechsel innerhalb der Familie, die durch Netzwerke der Loyalität und Vetternwirtschaft begünstigt werden.
Die Frage, wie lange dieses System Bestand haben kann, stellt sich insbesondere im gegenwärtigen Kontext, der von wachsender Unzufriedenheit im Land und zunehmender Isolation vom Rest der Welt geprägt ist. Obwohl Khameneis Wirtschaftsimperium ihm kurzfristig hilft, könnte es langfristig zu seinem Untergang führen, sollte sich das politische Gleichgewicht in der Region verändern, beispielsweise aufgrund des wachsenden israelischen Drucks oder von Protesten im Inland.
Das Missverhältnis zwischen dem Reichtum der Elite und der öffentlichen Armut ist für die iranische Jugend, die nach mehr wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit strebt, ein Grund zum Ärgernis. Die Diskrepanz zwischen offizieller Rhetorik und gelebter Realität zeigt sich darin, dass ein religiöser Führer ein Netzwerk kontrolliert, das an Fortune-500-Unternehmen erinnert.